Ein Sith Orden zur Zeit der Alten Republik

Verbrannte Erde

“Verbrannte Erde. Das ist eine Kriegstaktik, wo der Invasor die eigenen Siedlungen und Militärstätten aufgeben muss, und sie anzündeten, so dass dem herannahenden Feind nichts mehr übrig blieb, was er hätte plündern können.” Der hochgewachsene Mann lächelte seinem Gegenüber zu und hielt die Sektflöte locker in der Hand.
“Ich glaube eher, diejenigen, die überrant wurden waren es, die all ihr Hab und Gut vernichteten, damit die herannahende Invasions-Armee sich nicht mehr versorgen konnte,” mischte sich ein junger blonder Mann in das Gespräch ein.
“Hm,” machte der dritte im Bunde, und nahm einen Schluck von seinem Glas. Er blickte prüfend auf den Inhalt. “Faszinierende Taktik. In der Tat empfinde ich Ihre Ausführungen über dieses… alte ‘Imperium’ äußerst interessant. Es scheint Episoden in der menschlichen Geschichte zu geben, die sich zu erfahren lohnen. Vor diesem Abend in Ihrer Gesellschaft wäre mir das tatsächlich nicht in den Sinn gekommen. Erheiternd,” stellte er fest und blickte aus dem Fenster in die dunkle, aber keineswegs stille Nacht von Naboo. Erheitert sah er nicht aus.
Die beiden menschlichen Gesprächspartner wechselten irritierte Blicke. Der Blonde zog sich zurück, seine Mundwinkel zuckten mit Unbehagen. Er verließ die Gesellschaft des schmalen, schwarzhaarigen Mannes mit der irritierenden blauen Haut und den noch viel unangenehmeren rot glühenden Augen.

Er schritt durch die illustre Gesellschaft von Partygästen, die allesamt in exklusiver Abendkleidung umherstanden und -saßen. Sie aßen vom Buffet, lauschten der Kammermusik, tranken, unterhielten sich. Er musterte sie, die meisten von ihnen waren Gott sei Dank Menschen, und beurteilte sie auf Grund ihrer Kleidung. Einige von ihnen mussten ein berauschendes Budget haben und er fragte sich, wer von ihnen ein potentieller Konkurrent für ihn in der kommenden Versteigerung sein würde. Das meiste Geld schien allerdings dieser… blaue Kerl zu haben. Ein leichter Schauer strich ihm über den Rücken, als er sich wieder zu seiner Abendbegleitung gesellte.
“Ein unangenehmer Geselle, meine Teure,” wandte er ein, und nahm fast erschöpft einen Schluck aus seiner Sektflöte. “Er passt nicht hierher. Ich weiß nichtmal von welchem Planeten er kommt!”
“Passen wir hierher?” fragte die schwarzhaarige junge Frau mit dem Kurzhaarschnitt lächelnd. “Oh, oder eher, passe ICH hierher?” Sie biss sich auf die Unterlippe mit gespielter Scham und drehte eine ihrer kurzen Locken um ihren Finger. Ihr Gesprächspartner lächelte und genoß die Aussicht, die sich ihm in ihrem Decolleté bot.
“Aber absolut, meine Teuerste. Glauben Sie mir, die wenigsten hier sind, was sie vorgeben zu sein. Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde der Begleitagentur ein ausführliches Empfehlungsschreiben für Sie ausstellen. Sie machen Ihre Sache sehr… gut.” Er lächelte eckig und küsste Ihre Hand. Sie kicherte schüchtern, aber nicht zu aufdringlich. Er sah ihr tief in die mintgrünen Augen. “Sagen Sie… Sie werden doch sicher mit mir die Nacht hier verbingen, oder? Ich meine wie sähe es denn aus, wenn ich… nun wenn ich alleine hier verbliebe und Sie abreisten?”
Er benetzte sich lüstern die Lippen und sie schlug kokett die Augen nieder. “Aber natürlich.” Sie schloss die Lider ein wenig. “Das ist alles im Preis mit drin.”
“Wunderbar.” Seine Augen glänzten bei der Vorstellung die er sich von der kommenden Nacht machte und beschwingt leerte er die Sektflöte. “Die Versteigerung beginnt sicher jeden Augenblick. Ich nehme an sie bereiten die Exponate vor.”
“Ich kann es kaum erwarten. Am besten ich mache mich noch eben schnell frisch, nicht dass ich… nun nicht dass ich den Saal plötzlich mitten in der Versteigerung verlassen müsste. Ich möchte Ihnen ja keine Schande bereiten.
Sie verließ ihn schnellen Schrittes und überließ ihn seinen Fantasien. Kaum merklich griff sie sich ans Ohr, richtete ihre Creolen, wobei sie kurz den Blick des Chiss auffing, der unbeweglich am Fenster stand und die mehr als offensichtlichen Versuche seines Gesprächspartners, seiner Gesellschaft möglichst höflich und unbemerkt zu entkommen, ignorierte.

Xarn verschwand im Gang. Sie knickte die Absätze ihrer Schuhe ab, riss das enge Abendkleid an der Seite auf und nahm den kleinen Blaster aus ihrer Handttasche, dann berührte sie ihre Ohrringe und begann leise zu sprechen. “Rhian, ich beschaffe nun das Objekt. T-30 Minuten. Und wehe, du boxt mich da nicht raus! Ich fühle mich nackt ohne meine Rüstung!” Ohne eine Antwort abzuwarten stapfte sie erstaunlich leise durch den dunklen Gang und lies die gedämpfte Musik und die Unterhaltungen der Gäste hinter sich.
Im Festsaal sah man dem Chiss nicht an, dass er gerade eine Übertragung erhalten hatte. Der Empfäner in seinem Ohr war gut getarnt und es versuchte eh jeder ihn NICHT anzustarren. Er leerte sein Glas, ohne eine Miene zu verziehen. Dann drehte er sich zu seinem Gesprächspartner um und beendete sein Leiden. “Entschuldigen Sie mich. Ich werde … frische Luft… schnappen.” Mit diesen Worten öffnete er die Balkontür und verschwand auf der ausladenden Terasse in der Dunkelheit der Nacht.

20 Minuten später hatte Xarn die Wachen ausgeschaltet. Nicht ein Blaster-Schuss war gefallen, ihre Fertigkeiten im Nahkampf hatten bei Weitem ausgereicht um die unbegabten ‘Sicherheitsleute’, die die Exponate für die Versteigerung vorbereiteten, bewusstlos zu schlagen. Sie hastete durch einen dunklen Gang, stieß eine Tür, dann ein Fenster auf und blickte auf den dunklen Sumpf, der vor dem Haus lag. Das kleine Päckchen hatte sie sich in den Ausschnitt gestopft, die Schuhe warf sie mit einem kleinen Aufseufzen in die Nacht hinein. Dann klemmte sie die Blasterpistole zwischen die Zähne und schwang sich die Ballustrade hinunter. Plötzlich wurde das Zimmer und der Gang, den sie hinter sich gelassen hatte, erhellt. “Alarm! Es wurde etwas gestohlen!”
“Oh verdammt…” presste Xarn zwischen den Zähnen hervor und lies sich fallen. Mit einem leisen Aufschrei landete sie unsanft in einem Gebüsch. Sie fingerte an ihrem Ohrring herum, und rannte los. Hinter ihr kam Bewegung in die lahme Veranstaltung. Sicherheitsleute liefen auf, und der erste Schuss fiel. Die schlanke Frau rannte duch die nasse Vegetation und verfluchte es, ihre Rüstung nicht zu tragen. Gott-weiß-was konnte ihr hier in die Fußsohlen stechen! Sie überwand ein Hindernis, das sie in der Dunkelheit so gerade eben noch ausmachen konnte und strauchelte sofort. Rhian stand auf.
“Das war… unnötig,” sagte er kühl. Sie rieb sich den Kopf.
“Blödmann!” fauchte sie. Er hob eine Braue und reichte ihr eine Hand, die sie ausschlug. “Schuhe!!” Der Chiss reichte ihr Panzerstiefel, in die sie schlüpfte und einen Knopf betätigte. Ihre Boots schmiegten sich an ihre Füße und sie seufzte zufrieden. Ein weiterer Schuss fiel, und das Geheul von Hunden war zu vernehmen. “Verdammt!” Xarn fluchte. “Was ist mit der Alarmanlage? Das Ablenkungamaneuver!!!”
In diesem Moment kreischte jemand auf, dann gab es einen lauten Knall, und eine Rauch- und Staubwolke drückte sich aus einem der massiven und hohen Fenster der eindrucksvollen Villa. Rhian legte den Kopf schief und schien unzufrieden. Sie hieb ihm gegen die Schulter und lachte. Beide liefen los.
Hinter ihnen durchbrachen Lichtkegel die Dunkelheit des Sumpfes und gebrüllte Kommandos unterbrachen die surrenden und quakenden Laute, die die Nacht auf Naboo natürlicherweise erfüllten.

“Jetzt wirds eng!” fluchte Xarn. “Wir müssen zum Pick-Up-Point!” Rhian antwortete nicht, sondern gab einen gezielten Schuss auf das anrückende Sicherheitspersonal ab. “Es sind viele. Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Informationen waren falsch,” stellte er gelassen fest, während er weiterlief. Xarn machte ein Gesicht wie eine Katze, die man soeben in eine Regentonne geworfen hatte, nachdem man sie aus der Badewanne gehoben hatte.
“Er wird uns retten,” flüsterte sie gepresst, während sie sich alle Mühe gab, nicht hinzufallen und die ‘Mode’ dieser feinen Gesellschaft verfluchte. Rhian beachtete es nicht, auch wenn er es vernommen hatte. Die Verfolger holten auf und sie waren noch viel zu weit vom Pick-Up-Point entfernt. Er berührte sein Holo-Com und ließ sich die Koordinaten noch einmal projezieren. Zu weit entfernt. Er blickte in den Himmel. Zwischen den Sternen blitzte es. Er zog eine Augenbraue hoch. Ob sie Recht hatte? Ein Schuss knallte neben ihm in den Stamm eines Mangrovenbaums. Er zuckte nicht einmal.

Dann schlug Xarn hin. Rhian stoppte, hielt sich nicht damit auf, ihr aufzuhelfen, sondern feuerte direkt auf die heranrückende Sicherheitsmannschaft. Er nahm Deckung hinter einem mächtigen Stamm und zog sofort den Splint aus einer Impulsgranate, die er zielgerichtet warf. Die Detonation lies Wasser aus dem Torf hochspritzen. Sie richtete keinen Schaden am Feind an, doch erzielte den Effekt, den Rhian geplant hatte. Sie nahmen ebenfalls Deckung und bewegten sich nicht näher heran. Xarn bäumte sich wutentbrannt auf und brachte wüste Flüche in einer Sprache hervor, die der Chiss nicht verstand. Sie hielt sich nicht damit auf in Deckung zu gehen, sondern feuerte sofort drauf los. Rhian duckte sich weg, und bewegte sich rückwärts in den Schutz eines weiteren Baumes. “So wird das nichts,” bemerkte er. Die Verfolger schossen aus allen Rohren und Xarn rollte sich behände ab, kam hinter einem umgestürzten Baumstamm in der Hocke auf und wartete die Salven ab, die gefährlich viel Holz aufsplittern ließen.
“Macht nichts!” rief sie. “Er weiß, dass es schief geht. Er kommt!”
Dem Chiss gefiel es nicht, dass sie lachte. Aber er spürte bereits den Sog des Shuttles über ihnen, der an den Baumwipfeln riss. Und dann fiel etwas aus dem Shuttle, direkt in die Angreifer.

Für einen kurzen Moment war es still, so still, als wenn selbst die Zikaden und Lurche und Frösche und Nachtvögel sich zu Tode erschreckt hätten, dann fühlte Rhian die Druckwelle und schloss die Augen. Ein halbes Dutzend der Angreifer erhob sich in die Luft, stoppte dort für einige Sekunden, Wassertropfen blieben wie erstarrt stehen, ein Lufthauch wehte durch Xarns Haare, als sie tief einatmete, dann flogen die Wachleute wie Puppen durch die Luft. Ein dumpfes Surren durchschnitt die Stille als zwei glutrote Lichter die Dunkelheit teilten und außerdem noch die Leiber von zwei der Verfolger. Rhian schoß bereits zwei weitere Wachmänner nieder, dann richtete er die Waffen auf einen herannahenden Hund, doch ein Ast traf das Tier am Kopf und es ging jaulend zu Boden. Er schüttelte nichtmal den Kopf darüber, als er Xarn die Plasmabatterie auswerfen hörte und gab ihr einfach eine neue herüber.
Vor ihnen tanzten die roten Lichter durch die Nacht und Schreie teilten die Stille. Das Wasser mischte sich mit Blut, welches in kleinen Fontänen davonspritzte, kurz verharrte und in bizarren Formen durch die Luft schwebte, bis die normale Bewegungsgeschwndigkeit wieder hergestellt war.
Einige Schüsse erhellten noch die Nacht, aber beide wussten, dass der dunkle Schatten, der sich durch die klamme Nacht bewegte wie ein Raubtier sich bereits um alles gekümmert hatte.
Das dumpfe Aufsetzen des Shuttles in der unmittelbaren Umgebung und dessen Beleuchtung zerissen die Stille. Xarn jauchzte und presste sich dann die Hand vor den Mund. “Er macht immer so eine Sauerei,” stellte Rhian mit zusammengebissenen Zähnen sehr leise fest. Der Schatten drehte sich um und das glutrote Leuchten und das Brummen verstummten. Ein großes Tier stapfte auf die beiden zu, während die Hover-Düsen des Shuttles leise und nervös surrten. Der Mann kam direkt vor Rhian zum stehen, starrte ihm aus einer Kutte ins Gesicht, die schwarze Rüstung trug einige rußgeschwärzte Stellen von Blastereinschüssen, was den Chiss zunächst wunderte und dann sofort nicht mehr. Er spührte wie der Mann vor ihm etwas sagen wollte, aber Xarn rief: “Nichts wie weg!”
Der Neuankömmling streckte fordernd eine Hand aus und die Kopfgeldjägerin stapfte zu ihm herüber und präsentierte ihm ihr Decolleté. Eine schwarz-behandschuhte Hand griff ohne ein weiteres Wort hinein und dann traf sie die andere hart ins Gesicht. Sie stöhnte leise und ging in die Knie.
“Ihr habt es versaut,” sagte eine tiefe Stimme.
Xarn richtete sich wieder auf und knurrte scharf, doch der Mann ging einfach an ihr vorbei. Ein leichtes Glühen der Augen war unter dem Saum der Kapuze zu erkennen.
“Als wenn dir das keinen Spaß gemacht hätte…” brummte Xarn und rieb sich die rote Wange.
Der Mann stapfte mit schweren Schritten auf das Shuttle zu. Rhian beäugte die Kopfgeldjägerin kritisch, dann machte er sich daran, dem Sith zu folgen. Dieser hatte bereits das Päckchen geöffnet. Er fuhr mit der Hand über den Inhalt, während sich die eine Tür des Shuttles öffnete. Das Holocron erhellte kurz das dunkelrote Gesicht des Mannes, der grinste.
“Haruun Kal, also,” sagte der Sith mit rauer Stimme. “Darth Raevas wird zufrieden sein, dass wir die Karte haben. Mit euch aber,” orangefarbene Augen leuchteten zu den Beiden herüber, “wird er nicht so zufrieden sein.”
“Enarin, du bist ein Drecksack,” spuckte Xarn aus und stapfte ihm mit geballten Fäusten hinterher. Er grinste nur. “Und du wirst eine interessante Nacht haben, meine Schwalbe.” Er griff nach ihrem Nacken und – Rhian interpretierte es als Biss, doch er wusste, dass es wahrscheinlich doch mehr ein Kuss war, oder eher etwas von beidem – versenkte seine Zunge in ihrem Mund. “Versagen muss schließlich bestraft werden.” Sie keuchte auf, als er von ihr abließ.
Er verschwand im Shuttle und die anderen beiden folgten ihm. “Oh deine Nacht WIRD interessant!” spuckte Xarn aus und leckte sich grinsend über die Lippen. Der Chiss hielt sich bedeckt.
Haruun Kal, dachte Rhian bei sich. Noch so ein Hinterwälderplanet! Großartig. Aber… wenn es uns unserem Ziel näher bringt, dann werden wir ihm wohl einen Besuch abstatten. Tempus Fugit.

Übertragung Ende.

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