Ein Sith Orden zur Zeit der Alten Republik

Enarin Rabahn – Nachtmahr

Er saß auf dem Sims des Gebäudes und blickte nach unten. Der saure Regen prasselte auf seine Kapuze. Er verharrte wie ein steinerner Gargoyle und blickte in die nächtlichen Lichter der Stadt.
Gleiter und Shuttles flogen an ihm vorbei während der beißende Gestank der Milliarden Einwohner von Nar Shaddaa in seine Nase kroch, doch er regte sich nicht. Die Strahler leuchteten in den wolkenverhangenen Himmel, streiften seine massige Gestalt und hinterließen leuchtende Punkte auf seiner Iris, die wie blind auf diesen einen Punkt starrte, der direkt unter ihm lag, der rote Streifen, der sich wie eine fette Ader der Stadt in das Gebäude schlängelte um es zu nähren.

Der Lärm der Nacht, – eine andere Stille kannte man hier wohl kaum – von sovielen Leben kitzelte ihn angenehm. Soviele schlechte Absichten, Hinterhältigkeiten, Grausamkeiten, soviel Leidenschaft und Krieg. Krieg, der in jeder Sekunde tobte und jede Sekunde Opfer forderte. Die Lippen zogen sich zurück und entblößten scharfe Zähne. Brauner Regen tropfte von diesen Lippen, leckte an seinen Kinntentakeln und brachte es dann schwerfällig fertig, sich in Tropfen gen Boden zu quälen.

Der Krieg fehlte ihm.

Auf dem roten Pfad unter ihm, der gesäumt von einigen winzigen Lebewesen, Bazillen gleich, die das Immunsystem angreifen wollten, füllte sich mit geladenen Gästen. Sein Kopf sackte ab. Ein goldenes Auge heftete sich auf die aufkommende Unruhe unter ihm. Die Pupille zuckte hin und her, doch sonst regte sich kein Muskel. Dann sah er sein Ziel.
Ruckartig stand er auf, erhob sich geschmeidig trotz seiner enormen Masse als würde er an Fäden aufgehoben. Nicht zu weit hergeholt. Seine hautenge schwarze Rüstung glänzte obszön von der dreckigen Nässe. Er spuckte aus, schob sich die Brille ins Gesicht, drehte sich auf dem Fleck um, breitete die Arme aus – und fiel.

Einige Sekunden genoss er das Gefühl der Schwerelosigkeit, genoß, wie sein eigenes Gewicht von ihm abfiel, dann jedoch, beendete er diesen Moment und spannte seine Mskeln an, griff an seinen Gürtel, drehte sich um die eigene Achse und schleuderte wenige Sekunden vor seinem eigenen Aufschlag einige goldene Kugeln mit aller Kraft gen Boden.
Die Rauchgranaten zerbarsten und Schreie der Furcht beendeten den Jubel, den die Ehrengäste verursacht hatten. Bazillen stoben auseinander, während die weißen Blutkörperchen, die getreuen Wachen des Immunsystems sich mühten, die Ordnung aufrecht zu erhalten.
Dann gab es einen dumpfen Knall und der dreckige Nebel stob in der Mitte auseinander. Silhouetten tasteten wie kleine Kinder nach ihren Verbündeten und Freunden, Feinden, vermochten beides nicht mehr zu unterscheiden. Die enorme Rauchentwicklung verhinderte, dass hier irgendjemand drauf los feuerte. Ruhig und gelassen erhob sich der Marodeur erneut, wie an Fäden gezogen und trat über die Erhebungen des unter dem roten Teppich gesplitterten Asphalts. Ein finsteres Lächeln umspielte seine dünnen Lippen als zielstrebig auf sein Opfer zuging, jeder Schritt eine zur Schaustellung seiner Körperbeherrschung und der blinden Kraft, die in ihm wohnte.

“Kane,” sagte Enarin mit kräftiger, ruhiger Stimme.
“Aaron? Bist du das?!” Panisch kam sein Opfer direkt auf ihn zu. Mit tränenden Augen und hustend mit den Armen wedelnd fiel er dem Sithkrieger direkt in die Arme.
“Nein,” widersprach er Heiroth Kane mit einem immer breiter werdenden Lächeln und schubste beiläufig einen anderen taumelnden Menschen zur Seite, der in sie zu straucheln drohte, “Nachtmahr.” Er genoß, wie sich die schmerzhaft brennenden Augen seines Opfers weiteten und in die seinen blickten, die golden durch die Brille schimmerten, die er zum Schutz vor dem Rauchgas aufgesetzt hatte.
“Ein Eindringling,” konstatierte eine surrende Stimme hinter einem Helm und er hörte wie sich ein Wachdroide mit piependen Geräuschen in Gefechtstation begab. “Vorsicht! Die Würdenträger! Die Zivilisten!” brüllte anscheinend einer der Sicherheitskräfte. Enarin lachte laut auf, packte Kane am Arm und entschied sich Licht ins Dunkel zu bringen.
Er langte an sein Lichtschwert und aktivierte es, drehte es in der linken Hand und schnitt dem Senator, der gurgelnd vor sich hin wimmerte, langsam die Kehle durch. Blut spritzte auf seine schwarz glänzende Rüstung und in sein Gesicht, als der Mann nach ihm Griff, etwas zu sagen versuchte und dabei nur seinen Lebenssaft verspuckte, das Fleisch am Hals kauterisierte durch die Hitze des Lichtschwertes sofort und pfeifend quoll Luft aus dem Schnitt.
“Schlaf weiter. ICh bin nur ein böser… Traum.” Grinsend wischte er sich das Blut von der Schutzbrille und nahm einen Zug aus seinem Atemgerät.

Er genoß den Moment für einige Sekunden, dann ließen seine schwarzen Handschuhe knarzend los und mit einem dumpfen Klatschen ging der Mann zu Boden. “Für das Imperium. Für einen neuen Krieg. Tempus Fugit.”
Enarin duckte sich sofort, als er das Surren des Geschützes hörte und parierte einen Laserschuss des Wachdroiden mit dem Schwert. Er kniete erst und hechtete dann wie ein Sprinter los, durch den Nebel, der langsam zu verwehen begann. Er stieß mehrere Leute um, rannte direkt gegen sie und rammte sie mit den breiten Schultern, direkt auf den Steg zu, an dem die vornehmen Limousinengleiter hielten und ihre kostbare Fracht ablieferten. Wichtige und berühmte Leute, aber auch einfach nur Reiche, die hier Spaß haben wollten. Ohne die weiteren Schüsse zu beachten, denen er mit einigen Haken auswich, rannte er und durchbrach den Nebel. Er nahm Geschwindigkeit auf und sprang, erst auf das Dach eines geparkten Gleiters, entsetzte und aufgebrachte Schreie im Genick, doch die panische Menge machte es den Sicherheitskräften unmöglich, ihn genau ins Ziel zu bekommen, ohne Zivilisten zu gefährden. Auf Menschen konnte man sich verlassen.
Der Gleiter gab unter seinem Gewicht und seiner Kraft nach, sackte ein Stück nach unten, und als das Gesetz der Physik ihn wieder nach oben beförderte, sprang der Sith ab, nahm all die Macht zusammen, die er in sich gesammelt hatte und sprang.

Die schwarze Gestalt verschwand im Dunst der Stadt. Geblendet von den Lichtern ihrer eigenen Zivilisation, blieben die Wächter zurück.

Die Tür des Shuttles öffnete sich und Enarin warf die Kapuze zurück, steckte sich eine Zigarette und schob die Brille zurück auf seinen Kopf. Er nahm von dem surrenden Droiden, der auf ihn zugefahren kam, ein Handtuch entgegen, mit dem er seine Rüstung von dem sauren Regen befreite. Hinter ihm schloß sich bereits die Shuttletür und der Startvorgang setze ein. Der Droide taumelte, wähend der Sith am Boden festgeschraubt zu sein schien und in aller Seelenruhe seine Rüstung reinigte.

Er schritt ins Cockpit und beugte sich zum Piloten vor, der einen Helm trug. “Saubere Leistung,” raunte er grinsend, als würde er in das Ohr flüstern, welches irgendwo unter dem weißen Polymer sein musste.
“So kennst du mich,” gab Xarn zurück. Hinter dem platinverspiegelten Visier grinste sie, das spürte er und ebenfalls die Erregung, die in ihr pochte. Sirenen heulten auf, und die Verfolgungsjagd begann. Der Sith blickte auf und sah die Luftwege von Nar Shaddaa mit dem enormen Verkehrsaufkommen wie Geschosse auf sich zurasen. Er strich Xarn über die Schulter und lies sein Handtuch auf der Lehne des “Beifahrersitzes” liegen, in welchen er sich fallen ließ und die Beine hochlegte. “Dann vergeig es jetzt nicht,” knurrte er und fischte sich die Zigarette aus dem Mundwinkel.
“Würde mir nicht einfallen,” gab sie knurrig zurück, und er spürte wie sich ihr Herzschlag und ihre Körpertemperatur erhöhten, diese Bemerkung seinerseits ihr Adrenalin erst richtig zum fließen brachte.
“Gut. Sonst müsste ich böse werden.” Ein dreckiges Grinsen umspielte seine Lippen, als er seine langen Haare ausschüttelte und über seine breiten Schultern fallen ließ.
“Das soll ein Grund sein, es NICHT zu vergeigen?” Sie provozierte ihn und drückte den Schubhebel ganz nach vorne durch, das Shuttle nahm eine bestialische Geschwindigkeit auf um den Verfolgern zu entkommen, schlängelte sich wie ein gezielter Blitz durch den eigentlich trägen Verkehr.
“Jep. Denn sonst wird Reavas ebenfalls böse.”
Sie knurrte und griff fester um den Steuerknüppel. “Schade,” murmelte sie.

In diesem Moment blinkte der Comlink an Enarins Armpanzer auf und surrte leise. Er klappte die glänzende Verschalung auf und aktivierte den Link. Er wusste, wer das war, auch ohne hinzusehen und schwieg.
“Das war unnötig,” gab eine dunkle, väterliche Stimme in gleichgültigem Ton zu verstehen. Enarin schwieg. “Du solltest es mit einem normalen Messer fertig bringen einen Sterblichen zu töten.”
“Aber ich will Krieg,” sagte Enarin ruhig. Der Comlink blieb eine Weile stumm, dann, als Xarn gerade begann nervös zu werden, und sich ihre Fingerknöchel unter der perlmuttfarbenen Rüstung weiß färbten, sagte Darth Reavas: “Das war dumm von dir.”
“Du hättest mich aufhalten können.” Enarin sprach ganz ruhig, doch in seinem inneren feierte er ein Fest, sein Blut kochte förmlich vor Erregung.
“Ja.” Reavas konnte nicht zugeben, dass er sich eventuell für einen Moment nicht darum bemüht hatte, sicherzugehen, dass sein kleiner Bruder funktionierte, wie er es befohlen hatte. Und er konnte auch nicht zugeben, dass sein kleiner dürrer Genius von Schüler es nicht vorher geahnt hatte. Also blieb ihm nichts, als es hinzunehmen. “Die Tatsache, dass der Senator von einem Sith getötet wurde, wird noch Auswirkungen haben.”
“Ja, aber sie werden das Territorium von X13-09 trotzdem aufteilen. Sie werden sich ohne Führung streiten und es wird ein Zerwürfnis geben. Das macht den Weg frei für unser Vorhaben und den Plan, das Artefakt zu bergen.”
Der Comlink blieb für einen weiteren Moment still, dann sprach Reavas ruhig: “Ich hoffe es für dich.” Damit erlosch der Link.

Enarin lachte laut auf, im gleichen Moment streifte das Shuttle hart einen Gleiter und kam ins Trudeln. Der Marodeur lachte unbeirrt weiter, die Füße auf dem Amaturenbrett übereinander geschlagen verschränkte er selbstzufrieden die massiven Arme hinter dem Kopf und zog an seiner Zigarette. “Bring uns nach Hause, meine Schwalbe. Ich liebe diesen Tag jetzt schon und irgendetwas sagt mir, es kann nur noch besser werden.”

Xarn riss an ihrem Steuerkreuz und das Shuttle drehte sich wie eine in der Luft angeschossene Taube plötzlich um und verriss trudelnd in die Häuserschluchten des Stadtplaneten. Enarin drückte mit dem Absatz seiner Kampfstiefel einen Schalter, und die Beleuchtung an dem Gefährt verglomm. Nichts als einen Silberstreif von Kondenzflüssigkeit hinterlassend verschwand das Shuttle in den Schluchten der Metropole und ließ senine Verfolger blind zurück.

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